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Uraufführung 1896 – Premiere am 6. April 2008
Wer hätte nicht schon mal davon geträumt, ein echtes Bohème-Leben zu führen? Jung und arm, aber frei und glücklich. Eine ungebundene Existenz ohne Verantwortung, fern von Ordnung und Reglements, nur im Moment, aber immer für die Kunst lebend, mit zahllosen Amouren und dem Café als Hauptquartier – und vor allem absolut unbürgerlich. Dieser Wunschtraum des etablierten Bürgers auf dem heimischen Sofa nährt sich aus Henri Murgers Episodenroman »La vie de Bohème« über das Künstler- und Studentenleben im Pariser Quartier Latin und natürlich vor allem aus Puccinis weltberühmter Oper.
Die »vier Musketiere«, der Dichter Rodolphe, der Maler Marcel, der Musiker Schaunard und Colline, der Philosoph, sind wahre Lebenskünstler. Von der Hand in den Mund lebend, triumphieren sie mit Witz und Charme über triviale Alltagswidrigkeiten wie Brennholzmangel oder ihren kleinkarierten Vermieter. Als sich Rodolphe und Mimi am Weihnachtsabend verlieben und die raffinierte Musette ihren geldgepolsterten Verehrer in die Wüste schickt, um mal wieder zu Marcel zurückzukehren, scheint das Glück perfekt. Doch Monate später treiben Eifersucht und Not die beiden ungleichen Paare zur Verzweiflung. Mimi ist schwer krank – Rodolphe unfähig, ihr zu helfen. Erst als die sterbenskranke Mimi zu Rodolphe zurückkehrt, findet sich die alte Bohème-Gemeinschaft wieder zusammen. Zu spät.
Puccini war fasziniert von dem gefühlvollen Stoff: »Da ist Menschlichkeit, da ist Empfindung, da ist Herz. Und da ist vor allem Poesie.« Wie er Alltägliches durch emotionsgeladene Musik überhöht, wie er mit wenigen kompositorischen Mitteln plastische Atmosphäre zaubert und uns in überaus sensiblen Kantilenen schwelgen lässt, ist noch heute betörend.
Andreas Homokis Inszenierung verzichtet ob der Zeitlosigkeit des Themas auf Milieuschilderung oder Detailnaturalismus: Auf der nahezu leeren Bühne konzentriert sie sich auf die Figuren und die menschliche Dimension der Geschichte, die sich schließlich als erschreckend erbarmungslos erweist.
Pressestimmen …
Gelungen ist es, weil das junge Ensemble, das sich mit Leidenschaft für die Sache und mit großer Musikalität bei Händel, Gluck, Offenbach und auch Mozart bewährt hat, von Puccini herausfordern lässt, ganz spielerisch und entspannt seine physischen Grenzen auszutesten. Elegant und verständnisvoll dirigiert St. Clair das Orchester so, dass niemand überfordert wird
(…) weil die Stimmen genügend Platz haben, ihre eigenen Möglichkeiten zu entfalten. Es macht Spaß, ihnen zuzuhören, wie sie es einfach mal versuchen mit diesem Puccini. (taz, Niklaus Hablützl)
Homoki verstand es mit seiner Konzentration auf die Psychologie der Figuren und einer sehr detailgenauen und präzisen Personenregie zu fesseln und zu ergreifen. Was wiederum im Umkehrschluss nur zeigt, dass Theater und Oper nicht unbedingt der großen, opulenten Ausstattung bedürfen, um mit de jeweiligen Geschichte gefangen zu nehmen. Erforderlich ist dazu allerdings eine Regie, die Gefühle in Haltungen, in Bewegung umzusetzen versteht. Hierin ist Homoki ein Meister. (opernnetz.de, Axel Göritz)
Am Pult steht der künftige GMD des Hauses, der Amerikaner Carl St. Clair, mit energischen Gesten rhythmischen Feuers und nachdrücklichem Gespür für transparente Farben des Lyrischen.
(Süddeutsche Zeitung, Wolfgang Schreiber)
Homoki weiß gut, was er an diesem Ensemble hat. Er lässt es singen und räumt ihm dafür die Bühne leer. Chor und Solisten füllen den Raum, dazu ein gewaltiger Weihnachtsbaum, der in allen Farben glitzern kann. So ist immer Bewegung und Farbe zu sehen, manchmal schneit es ein bisschen. (taz, Niklaus Hablützl)
Puccinis »Bohème« ist unter der inszenierenden Hand von Anfang auf Staunen erregende Weise eine von Andreas Homoki geworden, die in hundert pausenlosen Minuten in der Komischen Oper den Aufstieg in die Wonnen der bürgerlichen Gewöhnlichkeit schafft.
(Berliner Morgenpost, Klaus Geitel)
Die Komische Oper Berlin wird Ihrem Ruhm als Oper des Jahres 2007 gerecht. (dradio.de, Christoph Schmitz)
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